Nokias Entwicklungshilfe

Ein wirklich beeindruckendes Beispiel, wie man sich mit einer einzigen Entscheidung binnen eines interstellaren Augenaufschlags vom Olymp in Richtung Hades katapultiert lieferte der Handyhersteller Nokia in den letzten Tagen. Die unpopuläre Entscheidung die Produktionsstätten des Bochumer Werks zu schließen und “Entwicklungshilfe” in Transilvanien zu leisten, hat dazu geführt, dass die Finnen nun bald ihre eigene Marke bestenfalls noch auf dem dortigen Schwarzmarkt zu Schleuderpreisen verhökern können.

Ein Aufschrei geht durchs Land. Der Nachrichtensender n-tv fragte seine Zuschauer: Ist ein Verbraucher-Boykott der Firma angemessen? Darauf antworteten 78 Prozent mit Ja. Eine weitere Untersuchung belegt den Stimmungswandel eindrucksvoll: Laut dem aktuellen “BrandIndex”, Marken-Monitor des Kölner Marktforschungs- und Beratungsinstituts Psychonomics AG, fällt der Score von Nokia innerhalb wenige Tage von Plus 23 auf Minus 22 Indexpunkte.

Auch die Qualität der Marke wurde innerhalb von nur drei Tage von 62 auf 45 Indexpunkte abgewertet. Das Preis-Leistungsverhältnis fiel von 16 auf 6 Punkte. Am auffälligsten sind aber die Imagewerte von Nokia als potentieller Arbeitgeber. Vor ein paar Wochen lagen die Finnen noch deutlich über dem Durchschnitt, nun rutschte man in punkto Arbeitgeberimage auf den letzten Platz der Branche ab, also von plus 44 auf minus 8 Indexpunkte.

Das kann einer Marke unter Umständen beträchtlichen Schaden zufügen…muss aber nicht. Und auch wenn Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) sein Handy austauscht, und die n-tv Zuschauer künftig auch auf Simens, Sagem oder Samsung umsteigen ist fraglich, ob der gesamtdeutsche Volkszorn außreichend groß ist und lange genug anhält, dass den Wikingern die Marke und die Profite dauerhaft davonsegeln. Und Entwicklungshilfe kann man doch PR-mäßig auch positiv verkaufen…




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