Die Jugend von heute - wo soll das noch hinführen?
Jede Zeit hat ihre Sündenböcke für die Verrohung der Jugend: Killerspiele gelten heute als Wurzel allen Übels, davor war es das Fernsehen - und in den Fünfzigern standen sogar Comics auf dem Index. Politiker streiten wie leider so häufig relativ sinnentleert über die Verschärfung des Strafrechts. Einer möchte es bereits verschärft auf 14-jährige anwenden, während ein Anderer mit den Worten darüber herzieht:”…dann können wir ja auch gleich 5-jährige in den Knast stecken…”. Ein wahnsinnig qualifizierter Beitrag. Ich persönlich mutmaße, dass ich es in annähernd jeder Situation mit einem durchschnittlichen 5-jährigen aufnehmen kann. Bei einem 14-jährigen hingegen ist der Ausgang einer handfesten U-Bahn Prügelei evtl. ungewiss. Aber kommen wir wieder zu dem bösen Medien, die an dem Malleur überhaupt schuld sind.
Akim war der Comic-Held der fünfziger Jahre. Akim war eine Art Tarzan, lebte mit dem Gorilla Kar im Dschungel und erlebte viele Abenteuer. Akim hatte eine Rock-’n'-Roll-Haartolle, lief fast nackt herum, und seine meist zusammengekniffenen Augen ließen sein herbes Gesicht noch markanter erscheinen. Für 20 Pfennige konnte man in die aufregende Dschungelwelt eintauchen, in der Akim seine muskelbepackten Arme um Lianen schlang - oder um die Hüfte von Rita, der schönen Brünetten, deren Rundungen nur von einem knappen Leopardenbikini verhüllt wurden.
Man bedenke: die fünfziger Jahre waren eine Zeit, in der Pastoren im Konfirmandenunterricht noch davor warnten, dass beim Onanieren das Rückenmark mit rauskommt. Eltern duldeten nur brave und asexuelle Bildergeschichten wie “Mecki” oder “Micky Maus”. Akim mussten die Kinder im Schein der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen.
Bei der Diskussion um die Verlotterung der Jugend gibt es Muster, die sich über die Jahrzehnte hinweg wiederholen: Erstens: Die Jugend von heute ist immer schlimmer als die von früher. Und zweitens: Es gibt jeweils ein die Jugend verderbendes Medium, das schuld ist.
Den gesamten Artikel gibt´s bei SPIEGEL ONLINE




No comments
Jump to comment form | comments rss | trackback uri